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von Alexander Fink

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5 Kommentare

Freisein Dezember 18, 2018 - 8:00 pm

"Arbeitszeit"
Sehr geehrtes IREF,

Immer wieder und mit großer Freude lese ich Ihre Beiträge. Sie sind erfreulicherweise recht seriös und wirken kurzweilig.
Ich hätte da eine Frage bezüglich eines aktuellen Themas. Ob Sie sich diesem vielleicht in einem allumfassenderem Artikel widmen könnten, bleibt Ihnen vorbehalten. Andernfalls würde ich mich auch über den Versuch einer kurzen Antwort sehr freuen :).

In Österreich wurde durch die Regierung die 60 Stundenwoche ermöglicht. In Ungarn hat die Regierung nun ein Gesetz verabschiedet, welches es ermöglicht bis zu 400 Überstunden pro Jahr zu arbeiten.

Nun ist es ja so, dass die kapitalistische Theorie besagt, dass die Menschen immer weniger arbeiten müssen. Ja, ich weiss, wir haben keinen freien Kapitalismus.

Meine Frage ist nur, was sollen diese Arbeitszeitgesetze bezwecken ? Gegen welches Phänomen wenden sie sich ? Sind sie eine notwendige Antwort auf die Inflation ? Auf die Besteuerung ? Warum länger arbeiten ?

In Ungarn sind die Reallöhne gestiegen, weil Arbeitskräftemangel zunimmt. Unternehmen bezahlen bis zu 10% höhere Löhne. Wie lange kann sowas weitergehen ? Jedes Unternehmen kommt doch irgendwann an den Punkt, wo es die Löhne nicht mehr anheben kann und Menschen können auch nicht 16 Stunden pro Tag arbeiten, weil sie dann umfallen. Zuwanderung will die Regierung in Ungarn nicht. Das würde den Arbeitskräftemangel reduzieren. Ebenso die Reallöhne. Gibt es noch eine andere Möglichkeit, Reallöhne zu erhöhen und Zuwanderung zuzulassen ? Oder schließt es sich aus ? Von technischem Fortschritt redet niemand. Roboter und technische Fortschritte könnten Arbeitskräfte unterstützen oder in bestimmten unliebsamen Jobs ersetzen. Davon redet niemand. Wollen die rechtspopulistischen Regierungen das auch nicht ?
Müssen Menschen, weil es weder technischen Fortschritt, noch Zuwanderung gibt, so lange arbeiten bis sie umfallen ?

Vielleicht können Sie mir erklären warum Regierungen wollen, dass Menschen länger arbeiten. Worauf reagieren die Regierungen und welche Probleme entstehen dadurch eigentlich ? Denn der freie Markt wird nicht erlaubt, nur weil die Menschen länger arbeiten sollen.

Ich danke Ihnen vielmals für Ihre hoffentlich baldige Antwort.
Freisein

Alexander Fink Dezember 20, 2018 - 12:41 pm

Re : "Arbeitszeit"
Sehr geehrter Leser,

es freut uns sehr, dass sie unsere Artikel schätzen.

Grundsätzliche Motivation für solche Regulierung ist sicherlich der Schutz vor Überlastung – ob dieser Schutz wirklich effektiv ist, ist eine andere Frage. Was die Motivation in Ungarn für die Lockerung ist, kann ich nicht einschätzen. Fraglich ist, ob es tatsächlich viel an der tatsächlichen Arbeitszeit ändert. Für die meisten Menschen sind sehr hohe Arbeitszeitbeschränkungen sowieso irrelevant. Sie entscheiden sich auch ohne Regulierung für weniger Arbeit (mehr Freizeit). Hier ein (schon etwas älterer Artikel) zum Thema: https://de.irefeurope.org/954

Zum Thema wie langfristig Wohlstand entsteht, würde ich Ihnen diesen Artikel ans Herz legen: https://de.irefeurope.org/1289
Kurz gesagt: Reallöhne steigen mit der Produktivität. Technischer Fortschritt kann diese erhöhen, aber auch eine schlicht höhere Kapitalausstattung.

Zum Thema „Arbeitskräftemangel“. Wir tun uns damit ein wenig schwer: https://de.irefeurope.org/1105

Zu diesem Punkt: „Vielleicht können Sie mir erklären warum Regierungen wollen, dass Menschen länger arbeiten.“

Ich weiß nicht, ob Regierungen das wollen. Der Finanzminister wird sich aber über höher Einnahmen aus der progressiven Einkommenssteuer freuen.

So viel in Kürze. Ich hoffe die Antworten waren hilfreich. Wir freuen uns übrigens immer über Anregungen für neue Artikel.

Wir wünschen Ihnen besinnliche Weihnachtstage!
Ihr IREF-Team

Freisein Dezember 21, 2018 - 11:09 am

Sehr geehrter Herr Fink,

Vielen Dank für Ihre Antwort. Ist es erlaubt nachzufragen oder muss ich mich mit einem retour gebendem Weihnachtsgruß bereits verabschieden 🙂 ? Andernfalls würde ich gerne noch nachfragen.

Erhöhen längere Arbeitszeiten den Wohlstand ? Widerum bedeutet Wohlstand für andere aber, dass sie weniger arbeiten und mehr Freizeit haben.
Stimmt es, dass die in Ungarn eingefürten möglichen höheren Arbeitszeiten eine Reaktion auf den Arbeitskräftemangel sind ? So steht es in einem Artikel den ich irgendwo gelesen habe. Weil man aber die Grenzen dicht macht, muss man jetzt länger arbeiten um die Aufträge der Kunden erfüllen zu können. Die Unternehmen haben teilweise zu wenig Fachkräfte.
Unternehmen zahlen bis zu 10% mehr Lohn und die Arbeitssuchenden in Ungarn fordern immer mehr Lohn, weil sie wissen, dass die Arbeit in Ungarn momentan die Arbeitssuchenden übersteigt. Entstehen durch derart geschaffene höhere Löhne ala long nicht Wettbewerbsnachteile für ungarische Unternehmen ? Wenn die Mitarbeiter immer teurer werden, meine ich. Und wirkt sich das nicht auch auf die Preise der Güter und Dienstleistungen negativ aus ? Sie werden doch teurer statt billiger oder ? Wenn es heißt, Wohlstand entsteht durch Produktion und Produktivitätsfortschritt, steht dies denn im Gegensatz zu schlicht höheren Arbeitszeiten mit höheren Löhnen aufgrund zu weniger Arbeitskräfte die man vorfindet ? Ist höhere Arbeitszeit gleich Produktivitätsfortschritt oder sind das zwei verschiedene Dinge ?

Danke und auch Ihnen eine besinnliche Weihnachtszeit !

Alexander Fink Dezember 21, 2018 - 2:38 pm

Re :
Hallo,

eine vorweihnachtliche Antwort gibt es noch:

Arbeitszeit und Produktivitätsfortschritt sind zwei verschiedene Dinge. Bei letzteren erhöht sich die Produktion pro Stunde, bei ersteren erhöht sich die Produktion, da mehr gearbeitet wird. Längere Arbeitszeiten können ebenso wie höhere Produktivität das BIP erhöhen. Steigende Wertschöpfung pro Stunde kann allerdings durch mehr Arbeitsstunden nicht erreicht werden. (Es sei denn dadurch stellen sich Lerneffekte ein, die sich zuvor nicht eingestellt haben.)

Steigt die Produktivität und damit Stundenlöhne, müssen Menschen, wenn sie weniger arbeiten, auf mehr Lohn verzichten. Steigende Löhne bedeuten daher höhere Opportunitätskosten der Nichtarbeit. Der Gegenläufige Effekt scheint aber in der Vergangenheit überwogen zu haben: Höhere Löhne erhöhen das Einkommen und die gleichen Güter können mit weniger Arbeit gekauft werden.

Zu Ungarn kann ich Ihnen leider nichts sagen. Die Motive sind mir nicht bekannt.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr IREF-Team

Heinz Keil Januar 7, 2020 - 1:06 am

Weltbevölkerung Entwicklung bis 2100
Zu glauben ,wie im Artikel beschrieben , das Wachstum der Weltbevölkerung würde sich in naher Zukunft ver-
langsamen, ist ein gefährliches Denken, es hält die Politik der Welt davon ab sich endlich, mit wirkungsvollen Maßnahmen gegen das Wachstum zu stellen .Jeder geborene Mensch hat das absolute Recht auf ein
menschenwürdiges Leben! Aber der explosionsartige An-
stieg der Bevölkerung lässt sich nicht mit dem steigendem Wohlstand alleine wirkungsvoll bekämpfen,
meiner Meinung nach müssen wir einen Weg finden
, wie junge Menschen, in den Ländern wo haupt
sächlich das enorme Wachstum stattfindet, dazu animiert werden ihre Fruchtbarkeit aufzugeben und dazu
braucht es finanzielle Anreize wie Handgelder und das
Versprechen der Altersversorgung. Es gibt viel
leicht noch andere gute Ideen lasst sie uns finden , einfach laufen lassen und auf Prognosen vertrauen bringt uns nicht weiter es ist mehr als 5 vor 12 ,
der Klimawandel führt es uns vor Augen .

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